Dietrich Bonhoeffer

Theologe, Widerstandskämpfer und Vorbild des Glaubens

Kreise in Grün als Trennelement für Hotel Dietrich Bonhoeffer Haus Berlin

Ein Leben

im Widerstand

Inspiration bis heute

Dietrich Bonhoeffer wurde am 4. Februar 1906 in Breslau als sechstes von acht Kindern geboren. Seine Eltern waren der renommierte Psychiater und Neurologe Karl Bonhoeffer und Paula Bonhoeffer, geborene von Hase. Im Jahr 1912 zog die Familie nach Berlin, wo Bonhoeffer seine Schulzeit verbrachte und 1923 das Abitur ablegte. Noch im selben Jahr begann er im Sommersemester ein Studium der Evangelischen Theologie in Tübingen.

Ein prägender Italienaufenthalt von April bis Juni 1924 erweiterte seinen kulturellen und theologischen Horizont. Anschließend setzte Bonhoeffer sein Studium in Berlin fort. Bereits früh zeigte sich seine außergewöhnliche wissenschaftliche Begabung: 1927 wurde er mit der Arbeit Sanctorum Communio promoviert. Im Januar 1928 legte er das Erste Theologische Examen ab und trat im Februar eine Vikarsstelle in Barcelona an.

Nach seiner Rückkehr arbeitete Bonhoeffer 1929 und 1930 als Assistent an der Theologischen Fakultät in Berlin. Im Juli 1930 folgten die Habilitation mit der Schrift Akt und Sein sowie das Zweite Theologische Examen. Von September 1930 bis Juni 1931 hielt er sich zu Studienzwecken in New York auf.

DIETRICH BONHOEFFER (Breslau, Deutschland, heute Polen, 4. Februar 1906 – Flossenbürg, Deutschland, 9. April 1945). Deutscher lutherischer Theologe und Pfarrer, Mitglied des antinationalsozialistischen deutschen Widerstands und der Bekennenden Kirche

Im September 1931 wurde Bonhoeffer auf einer ökumenischen Konferenz in Cambridge zum Jugendsekretär gewählt. Ab Oktober desselben Jahres wirkte er in Berlin als Privatdozent und Studentenpfarrer an der Technischen Hochschule, eine Tätigkeit, die er bis 1933 ausübte. Im November wurde er zum Pfarrer ordiniert und betreute zusätzlich für ein halbes Jahr eine Konfirmandengruppe im Berliner Nordosten. Auch in den folgenden Jahren blieb Bonhoeffer international ökumenisch engagiert, unter anderem durch die Teilnahme an Tagungen in Genf und Gland im Sommer 1932.

Das Jahr 1933 markierte einen tiefen Einschnitt. Während Bonhoeffers Schrift Schöpfung und Fall erschien, übernahm Adolf Hitler am 30. Januar die Macht. Bereits am 1. Februar wurde ein Rundfunkvortrag Bonhoeffers zum Führerbegriff vorzeitig abgebrochen. In den folgenden Monaten positionierte er sich entschieden gegen die nationalsozialistische Kirchenpolitik, unter anderem mit dem Vortrag Die Kirche vor der Judenfrage und dem Flugblatt Der Arierparagraph in der Kirche. Gemeinsam mit Martin Niemöller war er an den Vorbereitungen zur Gründung des Pfarrernotbundes beteiligt, der zur Keimzelle der Bekennenden Kirche wurde. Ab Oktober 1933 übernahm Bonhoeffer ein Pfarramt in London, das er bis 1935 innehatte.

Auch nach seiner Rückkehr nach Deutschland blieb Bonhoeffer international vernetzt. 1934 nahm er an der ökumenischen Konferenz in Fanø in Dänemark teil, wo er sich für eine theologisch begründete Friedenspolitik einsetzte, und wurde Mitglied des Ökumenischen Rates. Ab April 1935 leitete er ein Predigerseminar der Bekennenden Kirche, zunächst in Zingst und später in Finkenwalde bei Stettin, während er zugleich an der Berliner Universität lehrte.

1936 wurde dem Predigerseminar eine Studienreise nach Dänemark und Schweden möglich, doch im August entzog man Bonhoeffer die Lehrbefugnis an der Universität. Ein Jahr später erschien seine Schrift Nachfolge und zugleich verschärfte sich der staatliche Druck: Nach der Verhaftung Martin Niemöllers im Juli 1937 wurde das Predigerseminar im Oktober polizeilich geschlossen. Bonhoeffer setzte die Ausbildung in Form von Sammelvikariaten an verschiedenen Orten fort und lebte zeitweise in Schlawe.

Ab 1938 erhielt Bonhoeffer ein Aufenthaltsverbot für Berlin und knüpfte zunehmend Kontakte zum politischen Widerstand. Anfang 1939 erschien Gemeinsames Leben. Um der drohenden Einberufung zum Wehrdienst zu entgehen, reiste Bonhoeffer im Juni 1939 zu einer Lehrtätigkeit in die USA, kehrte jedoch aus Gewissensgründen bereits Ende Juli nach Deutschland zurück. Mit dem Beginn des Zweiten Weltkriegs am 1. September 1939 begann eine neue Phase seines Lebens.

Ab 1940 war Bonhoeffer in konspirative Widerstandsarbeit eingebunden und als Mitarbeiter im Amt Ausland/Abwehr tätig. Zugleich arbeitete er an seiner Ethik. Er lebte in dieser Zeit an wechselnden Orten in Deutschland. 1941 erhielt er Publikationsverbot, unternahm jedoch mehrfach Reisen in die Schweiz als Kurier des Widerstands und war an einer Rettungsaktion für jüdische Verfolgte beteiligt.

Auch 1942 setzte Bonhoeffer seine Widerstandsaktivitäten fort, unter anderem durch Reisen nach Norwegen, Italien und erneut in die Schweiz sowie durch Kontakte zum Kreisauer Kreis und zu Bischof George Bell. Am 13. Januar 1943 verlobte er sich mit Maria von Wedemeyer. Wenige Monate später, am 5. April 1943, wurde Bonhoeffer in seinem Elternhaus in Berlin verhaftet und in das Militärgefängnis Tegel eingeliefert.

Während seiner Haft entwickelte Bonhoeffer in Briefen und Aufzeichnungen neue, weitreichende theologische Gedanken über Kirche, Welt und Glauben. Nach dem gescheiterten Attentat auf Hitler am 20. Juli 1944 verschärfte sich seine Lage drastisch. Im Oktober 1944 wurde er in den Gestapokeller in der Prinz-Albrecht-Straße überführt. Zum Jahreswechsel entstand dort das Gedicht Von guten Mächten treu und still umgeben.

Im Februar 1945 wurde Bonhoeffer in das Konzentrationslager Buchenwald verlegt und Anfang April weitertransportiert, zuletzt in das KZ Flossenbürg. Am 5. April erging der Befehl zu seiner Ermordung. Am 9. April 1945 wurde Dietrich Bonhoeffer nach einem nächtlichen Standgericht wegen Hoch- und Landesverrats hingerichtet. Wenige Wochen vor Kriegsende verlor auch ein Großteil seiner Familie durch das NS-Regime sein Leben. Bonhoeffer gilt bis heute als eine der eindrucksvollsten theologischen und moralischen Gestalten des deutschen Widerstands gegen den Nationalsozialismus.

Kreise als Trennelement für Hotel Dietrich Bonhoeffer Haus Berlin

Publikation
zum Thema

160 Seiten mit 92 Abbildungen

Eine interessante Neuveröffentlichung über das Leben und Wirken Dietrich Bonhoeffers ist aktuell im Ellert & Richter Verlag, Hamburg, erschienen. Wir empfehlen unseren Gästen dieses Buch zur Vertiefung. Es ist zum Ladenpreis von 19,90 Euro an unserer Rezeption erhältlich.

Wir bedanken uns für die Bereitstellung der Texte und Bilddaten beim Rechtehinhaber.

Ellert & Richter Verlag, Hamburg 2026

Buchcover von 'Auf den Spuren von Dietrich Bonhoeffer' mit einem historischen Foto und einem grauen Hintergrund.
Kreise in Grün als Trennelement für Hotel Dietrich Bonhoeffer Haus Berlin

Bonhoeffers Leben

in Stationen

1906

Breslau – Berlin

Geburt am 4. Februar als sechstes von acht Kindern.

1924

Italien

Prägender Italienaufenthalt von April bis Juni. Erweiterung des kulturellen und theologischen Horizonts.

1927

Berlin

Promotion mit der Arbeit Sanctorum Communio.

1928

Berlin

Abschluss des ersten Theologischen Examens im Januar 1928; Antritt einer Vikarsstelle in Barcelona im Februar.

1929–1931

Berlin, New York

Assistent an der Theologischen Fakultät in Berlin zwischen 1929 und 1930; Juli 1930 Habilitation mit der Schrift Akt und Sein; Zweites Theologischs Examen; September 1930 bis Juni 1931 Studienzwecke in New York.

1931–1933

Cambridge, Berlin

Wahl zum Jugendsekretär in Cambridge im September 1931. Ab Oktober bis 1933 Privatdozent und Studentenpfarrer in Berlin.

1933

Tiefer Einschnitt

Bonhoeffers Schrift Schöpfung und Fall erscheint, Adolf Hitler übernimmt am 30. Januar die Macht.
Bonhoeffer positioniert sich entschieden gegen die nationalsozialistische Kirchenpolitik; Ab Oktober 1933 Pfarramt in London (bis 1935).

1934–1935

1934 ökumente Konferenz in Fanø/Dänemark; Mitglied des Ökumenischen Rates; Ab April 1935 Leitung Predigerseminar der Bekennenden Kirche; Lehrtätigkeit Berliner Universität.

1936–1937

Entzug der Lehrbefugnis an der Universität; Schrift Nachfolge erscheint; 1937 Verhaftung Niemöllers, Schließung des Predigerseminars.

1938–1939

Aufenthaltsverbot für Berlin; Kontakte zum Widerstand; Publikation Gemeinsames Leben; 1. September 1939 Beginn des Zweiten Weltkriegs.

1940–1943

Ab 1940 konspirative Widerstandsarbeit; Arbeit an Ethik; 1941 Publikationsverbot; Verlobung mit verlobte er sich mit Maria von Wedemeyer am 13. Januar 1943; April 1943 Verhaftung und Einlieferung in das Militärgefängnis Tegel.

1944

Berlin – Buchenwald – Schönberg

Oktober 1944 Verlegung in den Gestapokeller, Prinz-Albrecht-Straße; Gedicht Von guten Mächten treu und still umgeben entsteht.

1945

Februar 1945 Verlegung in das KZ Buchenwald; April Verlegung KZ Flossenbürg; 9. April 1945 Hinrichtung wegen Hoch- und Landesverrat.